Landesmuseum Mainz


Die Taststation Schiefer im Landesmuseum Foto der Taststation Schiefer im Landesmuseum Mainz


Das Landesmuseum Mainz


besucht am 10.02.2017

In zahlreichen Vorträgen und Publikationen stellt das Landesmuseum Mainz seine Angebote für Menschen mit Behinderungen dar. Es war Zeit, einmal selbst die Angebote für blinde und sehbehinderte Menschen unter die Lupe zu nehmen.

Das Landesmuseum Mainz ist eines der ältesten Museen in Deutschland. Es ist in der Golden-Ross-Kaserne untergebracht, einem einzigartigen Barockensemble der Stadt Mainz aus kurfürstlicher Zeit. Seine Sammlung beinhaltet eine Vielzahl unterschiedlicher Themen wie römische Zeit, niederländische Malerei, Stadtgeschichte und Glas des Jugendstils. Sie erstreckt sich von der Vorgeschichte bis zur Kunst der Gegenwart. Sonderausstellungen zu Kunst der Vergangenheit und der Gegenwart bereichern dieses Angebot. Führungen richten sich an Kinder ab drei Jahren, Jugendliche und Erwachsene.

Dem Landesmuseum Mainz eilt der Ruf voraus, eine Vorreiterrolle in punkto Barrierefreiheit und Inklusion einzunehmen. Bereits seit 2010 gibt es dort zwei Folientastbücher, von denen eines das Gemälde „Frauenkopf“ (1908) von Picasso für blinde Menschen tastbar darstellt. Ein anderes veranschaulicht das Haus und seine Sammlungen. 2013 erschien ein drittes Tastbuch zu einem Renaissancegemälde von Lorenzo di Credi: „Madonna mit Kind“ um 1480.

Besucherorientierung, Kinderfreundlichkeit und Barrierefreiheit sind im Leitbild des Museums verankert. Sie bestimmen das zukünftige Handeln der Institution. Es ist formuliert, dass das Landesmuseum ein Haus für alle Menschen sein möchte. Die Zugänglichkeit aller Räume ist gewährleistet. Es gibt spezielle Angebote und Dienstleistungen, mit denen man aktiv auf Menschen mit Behinderungen eingeht. Jeder soll auf seine Weise Kunst und Geschichte im Landesmuseum erleben können. Der Akzent liegt auf der Selbstbestimmtheit der Menschen mit Handicap.

Das Landesmuseum habe ich zu Fuß erreicht, in Begleitung meines Assistenten und eines ortskundigen Kollegen. Eine ausführliche Beschreibung des Fußweges ist auf der Museumswebsite nicht hinterlegt, jedoch Hinweise zur Nutzung von Bussen.

Empfang
Von der sich automatisch öffnenden Tür führt ein schmaler Leitstreifen im rechten Winkel nach rechts zur Kasse. Er hebt sich nicht gegen den gemusterten Fußboden ab und ist so ein Kompromiss. Weitere taktile Orientierungshilfen im Boden sind nicht vorhanden. Das Haus ist sehr weitläufig. Am Ende eines jeden Audiofiles wird darauf verwiesen, dass das Personal bei der Orientierung behilflich sein würde. Da ich mit zwei sehenden Begleitern dort war, habe ich das nicht ausprobiert.

Der Kassenbereich ist ansonsten nicht kontrastreich gegen die übrige Einrichtung abgehoben oder besonders ausgeleuchtet. Das Personal war sehr freundlich und über die Angebote (die Folienbücher und den beschreibenden Audioguide) informiert. Die Tastbücher waren für die Dauer des Besuchs ausleihbar.

Audioguides
Der Audioguide war ein konventionelles Gerät. An der Kasse wurde eine kurze Einführung gegeben. Die einzelnen Stücke werden durch Transponder automatisch gestartet. Die vorhandenen Audios bieten eine sehr breite Auswahl an Themen. Sie beschreiben überblicksmäßig das, was in einem Raum zu sehen ist, dann wird ein Objekt ausführlich beschrieben, wie beispielsweise eine Madonnenfigur aus dem Mittelalter. Im weiteren wird auf das Schnitzen solcher Figuren eingegangen. Es wird ein Tastobjekt empfohlen, was dann jedoch nicht angefasst werden sollte (Aufsicht).

Medienstation
In den einzelnen Räumen gibt es sehr massiv wirkende Medienstationen, die unterfahrbar sind und auch für Nicht-Rollstuhlfahrer die Möglichkeit bieten würden, im Sitzen zu lesen, sofern eine Sitzgelegenheit vorhanden wäre. Der Text ist weiß auf schwarz dargestellt. Es ist möglich, die Schriftgröße zu verändern und verschiedene Vertiefungsebenen zu wählen. Der Bildschirm kann gekippt werden, so dass ein optimaler Winkel zum Lesen gefunden werden kann.

Tastobjekte
Es gibt einiges an Tastobjekten, auf die über den Audioguide hingewiesen wird. Die vorhandenen Taststationen sind für alle zugänglich und nutzbar. Es lässt sich zum Beispiel regionales Gestein betasten, genauso wie die unterschiedlichen Malgründe, auf denen nicht nur die Niederländischen Künstler ihre Werke aufgebracht haben. In einem Raum kann die Funktion eines Papiertheaters tastend nachvollzogen werden.

Webseite
Die Hinweise auf die barrierefreien Angebote findet man unter dem Reiter „Besucherservice“ auf der Startseite. „Barrierefreiheit“ gliedert sich in Angebote für Blinde / Sehbehinderte, Angebote für Gehörlose / Hörbehinderte, Service für Besucher mit eingeschränkter Mobilität und Angebote für Menschen mit Lernschwierigkeiten. Es wird auf eine Ansprechpartnerin verwiesen, die bei noch offenen Fragen angeschrieben werden kann. Jeder Besucher mit Handicap kann sich speziell über diejenigen Angebote informieren, die er nutzen möchte. Blinde und sehbehinderte Besucher werden auf den Audioguide mit Audiodeskriptionen hingewiesen, Hörbeispiele sind hinterlegt. Ebenso gibt es Hinweise auf die Folientastbücher und ihre Entstehung.

Mein Fazit
Das Landesmuseum in Mainz war eines der ersten Museen in Deutschland, die sich Menschen mit Handicaps geöffnet haben. Im Rahmen von Tagungen, die die Inklusion von Menschen mit Behinderungen in Museen im Fokus haben, wird das Angebot häufig als ein hervorragendes Beispiel für Inklusion angeführt. Das Museum hält, was es auf der Website verspricht. Die Angebote müssen bei den potentiellen Besuchern immer wieder ins Gespräch gebracht werden. An Kommunikation in dieser Richtung fehle es derzeit, so die Ansprechpartnerin für Barrierefreiheit im Gespräch.

Die Taststation Stoff im Landesmuseum Foto der Taststation Stoff im Landesmuseum Mainz


Schrift auf Medienstation Foto einer Schrift auf einer Medienstation


Eine Medienstation im Raum Foto einer Medienstation in einem Raum des Landesmuseums Mainz


Das Titelbild vom Folienbuch Picasso Foto vom Titelbild vom Folienbuch Picasso


Aufgeschlagenes Foliebuch Picasso Foto vom aufgeschlagenen Folienbuch Picasso