Ausstellung „Mit Blindheit gefesselt! In den Rollstuhl geschlagen!“


Ziffern an der Texttafel Foto von Ziffern an einer Texttafel


„Mit Blindheit gefesselt! In den Rollstuhl geschlagen!“


Darstellung von Menschen mit Behinderung in Film und Literatur
Stadtbibliothek Erlangen
13.01.2017 - 07.02.2017
Besucht am 30.01.2017

Menschen mit Behinderung werden in Film undLiteratur oft nicht angemessen dargestellt, so finden die Organisatoren der Ausstellung. Es ist besonders auffällig, dass entweder bemitleidenswerte Kreaturen oder Helden im Mittelpunkt stehen, die entweder an ihrer Behinderung zerbrechen oder trotz, vielleicht auch wegen ihrer Behinderung Außergewöhnliches leisten. Das wird anhand von Film- und Textbeispielen veranschaulicht. Ein besonderes Augenmerk sollte auf gelungene Darstellungen gelegt werden.

Die Idee zur Ausstellung entstand zum 25-jährigen Jubiläum der Erlanger Paritäter, in Kooperation mit dem Projekt „Inklusion erlangen – in Stadt und Land“, dem Büro für Chancengleichheit und Vielfalt der Stadt Erlangen und der Stadtbibliothek Erlangen. Das Thema „Behinderung“ sollte von einer ganz neuen Seite beleuchtet werden.

Das Ziel der Macher bestand darin zu zeigen, dass das häufig noch vorherrschende Bild von Behinderung meist nicht zutrifft. Ein Rollstuhl beispielsweise ist kein „Gefängnis“, sondern bietet die Möglichkeit zu mehr Teilhabe und Selbstbestimmtheit. Menschen mit Behinderung sind vor allem eines: Menschen. Blindheit, Hörbeeinträchtigung oder Lernschwierigkeit stellen lediglich eine Facette unter vielen anderen dar, die einen Menschen ausmachen. Die Entwickler der Ausstellung wünschen sich, dass sich diese Sichtweise auf Behinderung nach und nach verbreitet.

Der Eingang zur Stadtbibliothek war nicht einfach zu finden. Er zweigt von einem überdachten Innenhof ab, von dem aus mehrere andere Eingänge abzweigen. Vom Erdgeschoß führen Treppen und ein Aufzug in den 1. Stock, in den der Rundgang durch die Ausstellung begann. Von der Treppe aus führte ein Leitstreifen in den Raum, in dem sich die zentrale Information befindet. Er führte nicht direkt bis zum Infothresen. Dies war sicherlich der Tatsache geschuldet, dass der Leitstreifen gleichzeitig Teil des Rundgangs gewesen ist. Auch wer den Aufzug genutzt hat, konnte den Infothresen nicht selbstständig auffinden, da keine Leitlinie vorhanden war. Möglicherweise bestand hier die Befürchtung der Organisatoren, mit zu viel Leitlinien Verwirrung zu stiften.

Die Dame an der Information war sehr freundlich. Sie hat in die Benutzung des Audioguides eingeführt. Weitere Unterstützung zur Orientierung durch das Personal wäre auf Anfrage möglich gewesen, so war auf dem Audioguide zu hören.

Der Leitstreifen im 1. Stock hob sich kontrastreich gegen den Parkettboden ab. Er war sehr gut zu ertasten. Kurze Querstreifen zeigten an, dass an dieser Stelle ein Exponat zu finden war. In der Regel handelte es sich um Tafeln mit Bild und Text vor durchsichtigen Stelen. In der linken unteren Ecke der Tafeln waren jeweils Ziffern aus Holz angebracht, die sich sehr gut gegen den Hintergrund abhoben. Sie waren sehr gut zu ertasten. An dieser Stelle befanden sich zudem Ziffern in Braille. Bei Eingabe der Ziffer in den Audioguide startete eine Beschreibung der bildlichen Darstellungen. Ihr folgte jeweils der Text. In der rechten oberen Ecke der Tafeln waren nicht tastbare Smilies angebracht. Sie sollten helfen, den Buchtitel oder Film einzuordnen. Die Bewertung war in den Text des Audioguides eingebunden. In den meisten Fällen sind die Personen mit Behinderung demnach sehr realistisch getroffen.

Die einzelnen Audio-Files waren recht kurz. Die bildlichen Darstellungen (Buchcouver und Comics) hätten ausführlicher beschrieben werden können.

An den Stationen 10 bis 17 waren die Besucher aufgefordert, ihre Meinung zu Comics per Plastik-Chip abzugeben. Das Vorgehen wurde auf dem Audioguide erklärt. Die Comics lagen in unterfahrbaren Tischvitrinen, auch sie waren mit den anzuwählenden Ziffern des Audioguides ausgestattet. Nicht gleich aufzufinden war die Vitrine mit der Ziffer „18“.In ihr waren vier Filme in DVD-Hüllen , wie „Erbsen auf halb 6“ und „allerbeste Freunde“ ausgestellt. Sie war nicht mit einem Querstreifen gekennzeichnet, vermutlich auch, um keine Verwirrung zu stiften.

Im 2. OG befanden sich die Exponate 22 bis 30. Hier ist der Leitstreifen in einer helleren Farbe verlegt worden, was den Kontrast zum Fußboden sehr schwach erscheinen ließ. Der Leitstreifen war nur aufzufinden, wenn man die Treppe auf der linken Seite heraufgekommen war. Vom Aufzug aus gab es keinen Leitstreifen. Am Ende des Rundgangs wurde der Besucher durch den Audioguide aufgefordert, den Weg zurück in den 1. Stock zu gehen, was sehr gut funktioniert hat.

Der Audioguide war ein leichtes schmales Gerät mit 2 Tastenreihen mit jeweils 11 Tasten untereinander. Oberhalb der Tastatur befand sich ein Bedienelement mit einem runden Schalter in der Mitte. Um diesen Schalter verlief ein Ring, der in 4 Segmente eingeteilt war. Mit dem oberen und unteren Segment ließ sich die Lautstärke regeln, mit dem linken und rechten war es möglich, sowohl vor- und rückwärts zu springen als auch zu „spulen“. Die Tasten waren mit weißen Ziffern auf schwarzem Hintergrund beschriftet und mit Braillezeichen versehen. Sie waren voneinander zu unterscheiden. Menschen, die sich mit dem Tasten nicht so leicht tun, hätten mit dem Bedienen der Tastatur eventuell Schwierigkeiten, da sie eine stärkere Abgrenzung der einzelnen Tasten benötigen würden. Es gab zwei Kopfhörerbuchsen, die es ermöglichen würden, dass zwei Personen ein Gerät nutzen könnten, so können sie zur gleichen Zeit den gleichen Text hören und sich anschließend darüber austauschen.

Fazit: Das vorhandene Leitsystem funktionierte bis auf die erwähnten Punkte (Auffinden des Infothresens, Leitlinie vom Aufzug aus) in 1. OG sehr gut, im 2. OG fehlte der Kontrast. Das Personal war in jedem Fall sehr freundlich und hilfsbereit. Der Audioguide enthielt neben den Informationen zur Ausstellung kurze hilfreiche Hinweise zur Orientierung. Die Buchcouver und Comics hätten hin und wieder eine ausführlichere Beschreibung verdient. Das partizipative Element (Abstimmung über die Comics) bringt Auflockerung in den Rundgang. Die Anzahl der ausgewählten Exponate war mit 30 sehr gut bemessen. Die Organisatoren haben sich sehr viele gute Gedanken darüber gemacht, wie das Ausstellungsthema ein breites Publikum erreichen kann.

Die Stadtbibliothek hat aus dem Material, das ohnehin in einer Bibliothek zu finden ist, nämlich Büchern und Filmen eine Ausstellung entwickelt, die ein gesellschaftlich relevantes Thema anspricht. Die Präsentation regt auf jeden Fall an, sich über Figuren in der Literatur bewusster mit Fragen des Behindertseins auseinanderzusetzen.

Hinweise auf die Ausstellung kamen über die „Reiseliste“ und den newsletter bbsb-inform.


Die Tastatur des Audioguide Foto der Tastatur des Audioguide


Der Leitstreifen im 2. Obergeschoß Foto vom Leitstreifen im 2. Obergeschoß