Bayerische Landesausstellung 2017


Plakat der Landesausstellung 2017 am Bahnhof Coburg Foto vom Plakat der Landesausstellung


Naher Blick auf die Veste Coburg Foto vom Blick auf die Veste Coburg


Bayerische Landesausstellung 2017
Bürger Bauern Lutheraner


Coburg 09. Mai - 05. November 2017
Besucht am 08.08.2017 in Begleitung
Claudia Böhme M. A.

Ich werde mich in diesen Zeilen auf Aspekte konzentrieren, die blinde und sehbehinderte Ausstellungsbesucher betreffen, jedoch werden sich auch Anmerkungen zur allgemeinen Barrierefreiheit finden, soweit ich über die Kompetenz verfüge, mich dazu äußern zu können.

Flyer
Anstatt unter „Preise ermäßigt“ „Behinderte“ zu schreiben, würde ich es als wertschätzender empfinden, wenn von „Menschen mit Beeinträchtigungen“ oder „Menschen mit Behinderung“ die Rede wäre.

Unter „Barrierefreiheit“ war sehr gut formuliert, dass Lage und Bauweise einer Burg den barrierefreien Zutritt erschweren. So kann jeder potentielle Besucher mit Mobilitätseinschränkung selbst entscheiden, ob er sich den Weg zutraut oder nach individuellen Lösungen suchen möchte. „Weitgehend barrierefrei“ halte ich für eine sehr unkonkrete Formulierung, die dem Besucher nicht mitteilt, was geht und wo ggf. Einschränkungen bestehen.

Da auf einem Flyer der Platz beschränkt ist, wäre es grundsätzlich sinnvoll, Detailinformationen auf der Homepage zur Ausstellung zu hinterlegen.

Weiterhin wird auf das Vorhandensein von Induktionsschleifen für die Audioguides sowie Texte in Leichter Sprache verwiesen.

Gehörlose Besucher oder Menschen mit Seheinschränkungen wurden hier nicht berücksichtigt. Das heißt, es gab keine Angebote für diese Besuchergruppen?

Empfang
Da ich nicht über Angebote für blinde und sehbehinderte Menschen in der Ausstellung informiert war, habe ich solche auch nicht nachgefragt. Für den Rundgang habe ich den Standard-Audioguide genutzt.

Führungen
Zum Zeitpunkt meines Besuchs waren mir die Termine für die beiden geplanten Führungen am 18.09. und 02.10.2017 noch nicht bekannt. Zwei Termine für Führungen anzubieten, halte ich für entschieden zu wenig. Es sollte ein regelmäßiges Angebot (eine Führung pro Monat) geben.

Vor dem Rundgang
Die Führer in Leichter Sprache lagen präsent aus, es gab gekennzeichnete Schließfächer für Rollstuhlnutzer. Klappstühle und Leihrollstühle standen zur Verfügung.

Die Glastür, die in den Ausstellungsbereich führte, war gekennzeichnet, jedoch nicht in Augen- und Kniehöhe, sondern auf Brusthöhe, was sie für mich nicht sichtbar werden ließ. Der erste Ausstellungsraum war in dunklen Farben gestaltet, die verwendete Schrift war für mich nicht lesbar. Beim Übergang zur „Landwirtschaft“ verschwammen Kontraste völlig, da der Hintergrund einem Holzzaun nachempfunden war. Die Schrift befand sich direkt auf dem gemaserten Hintergrund.

Natürlich ist es sehr individuell, wer welche Schrift gut lesen kann, jedoch würde man mit einer kontrastreicheren Gestaltung und der Wahl einer allgemein gut leserlichen Schriftart nicht nur Menschen mit Seheinschränkungen entgegenkommen. Informationen und Anregungen zu einem Kommunikationsdesign für alle finden sich unter leserlich.info. Möglicherweise können diese für künftige Projekte genutzt werden.

Die Marktszene in der Stadt würde auf blinde Menschen weit lebhafter wirken, wenn sie über eine zusätzliche Beschreibung der visuellen Eindrücke verfügt hätte. Dieses Manko lässt sich im Rahmen einer Führung abdecken. Für den Einzelbesucher wäre eine eigene Spur auf dem Audioguide mit Beschreibungen ausgewählter Leitobjekte und Szenen eine Lösung, um die Begleitpersonen etwas zu entlasten.

Eine Mitmachstation bot mittelalterliche Gehhilfen zum Ausprobieren an. Mit Hilfe einer Aufsichtsperson hatte ich diese angelegt.

Im Abschnitt „Tod und Reliquien“ ließen sich die Texttafeln recht gut lesen (Schrift weiß auf dunklem Hintergrund). Ansonsten war dieser Raum für mein Empfinden recht unübersichtlich gestaltet. Getastet werden konnte an einer Taststation für Kinder. Möglicherweise könnte man zukünftig die Taststationen je nach Inhalt so gestalten und in die Ausstellung einfügen, dass sie von allen Besuchern, so auch von blinden Menschen, genutzt werden könnten.

Der Audioguide
Der Audioguide enthielt zum Teil sehr gute Beschreibungen der Exponate, besonders die Tracks 20 und 23, zur Darstellung der Verlesung der confessio augustana und einer Spottschrift. Gut beschrieben war auch die Silberstatuette des Heiligen Benno unter der Nummer 33.

Fazit
Es ist bedauerlich, dass ich im Jahr acht nach Inkrafttreten der UN-Behindertenrechtskonvention in einer Ausstellung dieses Formats als Einzelbesucher mit Sehbeeinträchtigung keine Angebote finden konnte. Möglicherweise könnte man in Zusammenarbeit mit den Gestaltern künftiger Ausstellungen an Konzepten arbeiten, die eine bessere Beleuchtung, Schriftgestaltung, Wegeführung, Taststationen für alle usw. berücksichtigen. Ich möchte diese Anregungen nicht als Kritik, sondern als Herausforderung für die Zukunft verstanden wissen.