Sonderausstellung „energie.wenden“ im


Ich beim Tasten Foto beim Tasten in der Ausstellung


Sonderausstellung „energie.wenden“ im Deutschen Museum München


besucht am 03.08.2017
© Claudia Böhme M. A.

Das besondere Augenmerk liegt auf der Nutzbarkeit der Ausstellung für sehbehinderte und blinde Menschen. Sofern aufgefallen, werden auch Barrieren für Menschen mit anderen Einschränkungen benannt.

Übersichtsplan am Eingang
- Der Übersichtsplan ist nicht unterfahrbar für Menschen im Rollstuhl.
- Er ist zu niedrig für Menschen mit Seheinschränkung: Die tastende Person steht mit gebeugtem Rücken vor dem Pult.
- Die Beschriftung in erhabenen Buchstaben ist relativ klein ausgeführt. Die Abstände zwischen den einzelnen Buchstaben wiederum erscheinen relativ weit. Menschen mit Tasterfahrung und Kenntnis der Schwarzschriftbuchstaben würden dennoch zurechtkommen.
- Die Legende ist auf den Plan übertragbar. Nicht zu entschlüsseln sind die Zeichen für Treppe und Lift: Hier sind die Andeutung von Treppenstufen und Figuren in ein erhabenes Plastikviereck geschnitten. Es ist nicht tastbar, was gemeint ist. Eine erläuternde Beschriftung fehlt.
- Der Aufbau der Ausstellung ist anhand des Tastplans gut verständlich und nachvollziehbar.

Das politische Parkett
- Das Spiel können blinde Menschen nur gemeinsam mit einer Begleitperson nutzen, da
1. eine Möglichkeit der Orientierung (taktiles Leitsystem am Boden) nicht vorhanden ist und
2. die zu bedienenden Bildschirme ausschließlich durch Berührung auszulösen sind.

Auch wenn diese Aspekte in einer zeitlich befristeten Sonderausstellung in der Regel nicht berücksichtigt werden, sollten sie bei so klar strukturierten Ausstellungen in der Zukunft in der Planung eine Rolle spielen (beispielgebend ist hier das Deutsche Historische Museum in Berlin mit in der Regel zwei Sonderausstellungen im Jahr).
- Das politische Parkett und die Ausstellung komplett mit einer Begleitperson durchzuspielen erfordert überdurchschnittlich viel Zeit und Geduld, insbesondere der Begleitperson, da jeder Spieler seine eigene Meinung zu den einzelnen Themen eingeben möchte.

Offene Vitrinen
- Die Arbeit mit offenen Vitrinen bietet die Möglichkeit für alle Besucher, Dinge und Gegenstände zu berühren. Da es sich in der Hauptsache um robuste technische Exponate handelt, sollte bei ausgewählten Objekten ein Berühren für alle Besucher ermöglicht werden (entsprechende Kennzeichnung).
- Im Themenraum 2 wären beispielsweise das Brennelement wie auch die Stelleratorspule Objekte, die evtl. von allen Besuchern berührt werden dürften, im Themenraum 3 würde dies u. a. Zuckerrohr, Mais, Ölpalmfrucht usw. betreffen. Entsprechende Taststationen könnten sicher einfach gestaltet werden. Im Themenraum 6 stellt der Globus mit den erhaben aufgebrachten Verläufen von Flugrouten ein sehr gelungenes Exponat dar, was koloriert evtl. noch wirkungsvoller erscheinen würde.
- Der Themenraum „Speicher und Netze“ bietet kaum Erfahrungsmöglichkeiten. Interessant sind die Schnitte durch eine Fernwärme- und eine Gasleitung.

Taktil gestaltete Grafiken und 3D gedruckte Darstellungen
- Diagramm zur Fördermenge von Erdöl: Diese Art der Darstellung ist für alle Besucher nutzbar. Die Legende erschließt sich hier nicht 100-%ig, was aber speziell an dieser Grafik nicht von so großer Bedeutung ist. Die erhabenen Ziffern sind nicht ganz einfach ertastbar, aber grundsätzlich lesbar. Die Linie des Diagramms könnte weniger breit dargestellt werden.
- Die taktile Grafik Atomkraft-Windkraft hätte einfacher für den Tastenden gestaltet werden können. Das Darstellen des CO2-Ausstosses mittels in die Höhe gerichteter Säulen ist grundsätzlich eine gute Idee und könnte immer alternativ zur rein bildlichen Darstellung eines Sachverhalts durch Säulendiagramme erfolgen.
- taktile Grafik Themenraum 4, Stromerzeugung aus Wasserkraft: Hier irritiert die Tastrichtung von rechts nach links. Die Pfeile, die die Wasserbewegung verdeutlichen, könnten stärker hervorgehoben sein.
- Im Themenraum 9 „Bauen und Wohnen“ finden sich drei verschiedene Städte-Modelle als 3D-Drucke. Diese sind gut gelungen.

Knackpunkte
- Die Knackpunkte in den Themenräumen 2, 5, 7/8 und 9 sind in ihrer Erscheinung bzw. Funktion für blinde oder sehbehinderte Menschen nicht nutzbar.
- Themenraum 1: sehr gut handhabbar für die meisten Besucher. Rollstuhlnutzer dürften aufgrund der Höhe des Pults und der Höhe der meisten herausziehbaren Röhren nur eingeschränkt Nutzen aus diesem Knackpunkt ziehen.
- Die Fragen und Antworten am Knackpunkt im Themenraum 3 könnte man alternativ auch als Audios hinterlegen, so dass sowohl gelesen als auch gehört werden kann.
- Das Modell der Landschaft am Knackpunkt 4 würde koloriert wesentlich interessanter erscheinen. Eventuell könnten sich Menschen mit Seheinschränkung dann rascher einen Überblick verschaffen und sich am Modell orientieren. Gerade an Stationen wie dieser, an denen tastbare Landschaftsmodelle verwendet werden, empfiehlt es sich, nicht nur Texte, sondern auch Audios zu hinterlegen, damit sie von blinden Personen selbstständig genutzt werden können.
- Knackpunkt 6 könnte ebenfalls mittels eines Audiobeitrags zugänglich gemacht werden. Da hier eine Sitzgelegenheit vorhanden ist und es u. a. um Urlaub geht, könnte dieser Beitrag mit Geräuschen, die das Eintauchen in die Thematik verstärken, unterlegt werden.

Filme/Videos
- Die Videostationen (z. B. im Themenraum 2) bot Filme an, die nur durch Berühren ausgewählt und gestartet werden konnten. Möglicherweise kann in Zukunft an solchen Stationen auch eine akustische Bedienerführung angedacht werden, angelehnt an die voice-over-Funktion bei Apple-Smartphones.
- Die Bildschirme sind für Rollstuhlnutzer evtl. zu hoch installiert.


Säulendiagramm Foto eines Säulendiagramms


Führung durch die Sonderausstellung „energie.wenden“ im Deutschen Museum München


besucht am 28.07.2017
© Claudia Böhme M. A.

Übersichtsplan am Eingang
- Auf eine Erläuterung des Tastplans kann, vor allem in einer Gruppenführung, verzichtet werden, in erster Linie unter dem Aspekt der Zeit. Eine kurze Beschreibung der hier sehr einfach strukturierten Ausstellung kann stattdessen erfolgen. Der Tastplan könnte individuell nach dem Ende des Rundgangs angeboten werden.

Das politische Parkett
- Es kann im Zuge der Beschreibung der Struktur der Ausstellung verbal erläutert werden und dabei erklärt werden, warum es nicht Teil des Rundgangs ist.
- Die eine oder andere Hörstation könnte, da sie für alle Teilnehmer gleichzeitig hörbar ist, zur Einleitung eines Themas herangezogen werden, auch um eine kurze Diskussion in der Gruppe zu initiieren.

Einsatz von Tastkopien
- Eine Tastkopie mit dem Titel der Ausstellung wurde gleich zu Beginn eingesetzt, um die besondere grafische Gestaltung des Ausstellungstitels vor Beginn des Rundgangs zu vermitteln. Hier war der Einsatz sehr sinnvoll.
- Tastkopie einer Ölpumpe im 1. Themenraum (fossile Energien) erwies sich m. E. als nicht sehr sinnvoll. Es war nur eine Kopie für eine relativ große Gruppe im Umlauf. Gleichzeitig hätten andere Teilnehmer das Originalexponat ertasten sollen.

Sitzgelegenheiten, die ein bequemeres Tasten erlaubt hätten und der Vermittlerin die Möglichkeit gegeben hätten, das Exponat der ganzen Gruppe zu erläutern, gab es in diesem Raum nicht.

Grundsätzlich war das Objekt unglücklich ausgewählt (s. Exponate).

- Die Tastkopie zum Atom-Experimentier-Koffer für Kinder ist m. E. zu detailliert in der Darstellung und deshalb wenig hilfreich. Eine kurze Beschreibung des Koffers hätte an dieser Stelle ausgereicht.

Exponate
- Ölpumpe im ersten Themenraum: Das Objekt ist für ein Abtasten zu groß und vermutlich für die meisten Teilnehmer technisch zu anspruchsvoll.
- Es ist ausreichend, wenn Bohrköpfe als Beispielexponate eingesetzt werden. Sie sind leicht zu ertasten und für ein technisches Verstehen nicht so anspruchsvoll.

Knackpunkte
- Themenraum 1: Der Knackpunkt (herausziehbare Röhren) kann gut im Rahmen einer Führung eingesetzt werden. Die Station kann für die gesamte Gruppe beschrieben werden. Zwei TeilnehmerInnen können dann gebeten werden, jeweils eine Röhre herauszuziehen. Sie oder die Vermittlerin können nun beschreiben, welches Bild sich ergibt.

Zusätzliche Vermittlungsgegenstände
- Der Einsatz von Anthrazit- und Holzkohle sowie verschiedener Varianten von Erdöl ist sehr gelungen.
- Der Flamingo, der zur Veranschaulichung von Energieverschwendung eingesetzt wurde, kam bei den TeilnehmerInnen sehr gut an. Möglicherweise könnte er als „running gag“ von der Vermittlerin eingesetzt werden, um die Gruppe immer wieder zusammenzuführen (siehe Begleitpersonen).

Begleitpersonen
Die Begleitpersonen sollten immer wieder in die Führung einbezogen werden: Sie können gebeten werden, Dinge zu beschreiben oder erste Eindrücke wiederzugeben. Sie sollten immer wieder „beschäftigt“ werden, denn sonst geschieht es leicht, dass sie sich mit dem blinden Partner auf eigene Wege begeben und eine Vermittlung für die gesamte Gruppe schwierig bis unmöglich wird.