Industriemuseum Zeche Zollern, Dortmund


Raumplan mit eingezeichneten Sitzgelegenheiten Foto vom Raumplan


LWL Industriemuseum Zeche Zollern Dortmund
Dauerausstellung


Besucht am 09.05.2017

Aufmerksam geworden bin ich auf die Ausstellung über die CD DBSV-inform, hier durch einen Hinweis des Westfälischen Blinden- und Sehbehindertenvereins. DBSV-inform fasst sämtliche Audiomagazine der Landesverbände der Sehbehinderten- und Blindenselbsthilfe zusammen.

Die Anreise von Dortmund Hbf dauert eine knappe halbe Stunde. Man kann den Regionalzug und einen Bus oder nur den Bus nutzen. Die Strecken, die wir genutzt haben, hatten jeweils einen Umstieg. Auf dem Gelände der Zeche Zollern befinden sich mehrere Gebäude. Im ehemaligen Verwaltungsgebäude ist eine Ausstellung zu besichtigen, die für blinde und sehbehinderte Menschen einiges bietet. Darauf wird im allgemeinen Flyer hingewiesen.

„Mit ihren prunkvollen Backsteinfassaden und opulenten Giebeln“, so ist ebenfalls im Flyer zu lesen – „gehört die Zeche Zollern zu den schönsten Zeugnissen der industriellen Vergangenheit in Deutschland. Wegen ihrer außergewöhnlichen Architektur wird das ehemalige Bergwerk in Dortmund „Schloss der Arbeit” genannt. Kaum mehr vorstellbar ist heute, dass das Ensemble nach der Stilllegung in den 1960er Jahren abgerissen werden sollte. Wichtigstes Objekt im Kampf um den Erhalt war die Maschinenhalle mit dem eindrucksvollen Jugendstilportal — heute eine Ikone der Industriekultur. Der Erhalt des Vorzeige-Baus aus Stahl und Glas 1969 rettete nicht nur die gesamte Anlage, sondern markiert gleichzeitig auch den Beginn der Industriedenkmalpflege in Deutschland.“ Im Museum der Sozial- und Kulturgeschichte des Ruhrbergbaus werden Glanz und Repräsentationskultur der Steinkohlebergwerke dargestellt. Es geht um die Welt harter Arbeit und die Menschen, die zu unterschiedlichen Zeiten auf der Zeche gearbeitet haben.

Das Kassenpersonal im Eingangsgebäude war sehr freundlich und informiert. Leider gibt es keinen Tastplan oder Audioguide, um das gesamte Gelände der ehemaligen Zeche erfahrbar zu machen. Neben der Dauerausstellung im ehemaligen Verwaltungsgebäude gibt es eine weitere Ausstellung, die sich u. a. mit der Ausbildung, Freizeitgestaltung und Gesundheitsvorsorge von Bergleuten beschäftigt. Hier gibt es nur wenige Objekte, die angefasst werden können. Die Vermittlung geschieht auf konventionelle Weise, d.h. vorwiegend über bildliche Darstellungen und Texte.

In der Dauerausstellung im ehemaligen Verwaltungsgebäude der Zeche wird die Geschichte des Standortes von 1902 bis 1969 erzählt. Thematisiert werden u.a. Industrialisierung, Architektur, Erster und Zweiter Weltkrieg sowie die Rettung der Maschinenhalle, die im Jahre 1969 eigentlich abgerissen werden sollte.

In der Eingangshalle des Gebäudes findet der Besucher links des Eingangs einen Tastplan der gesamten Ausstellung mit Audio-Erläuterungen. Durch die 15 Räume auf zwei Etagen führt ein taktiles Bodenleitsystem. Es beginnt mit einem Aufmerksamkeitsfeld vor dem Übersichtsplan. Dieses hebt sich nur wenig kontrastreich vom Fußboden ab. Auf gemustertem Untergrund ist es kaum auszumachen. Innerhalb eines Raumes wird man durch quer zur Gehrichtung verlaufende, etwa 20 cm lange Rillen geleitet. Vom Raum zu Raum führen Rillen in Gehrichtung. Die Aufmerksamkeitsfelder bestehen aus Noppen.

Das Leitsystem führt den Besucher in jedem Raum zunächst auf eine rote Stele zu. Sie ist jeweils 240 cm hoch und 55 cm breit. Auf ihrer Vorderseite ist in weißen Buchstaben der Raumtext auf deutsch zu lesen, darunter in einem schwächeren weiß der englische Raumtext.

An der Längsseite der Stele ist ein Auszug zu finden. Wird dieser herausgezogen, ertönt eine Stimme, die einen Überblick über das Thema bzw. die Themen des Raumes vermittelt. Auf der Vorderseite des Auszuges gibt es ein taktiles Bild mit einem Text in Braille und Pyramidenschrift. Der Text beschreibt die bildliche Darstellung kaum. Der Text in Pyramidenschrift ist für einen so dargestellten Text grenzwertig lang und befindet sich sehr weit unten auf der Fläche.

Auf der Rückseite des Auszuges ist stets ein Lageplan des Raumes aufgebracht, anhand dessen zum Beispiel die Hör- oder Taststationen gezielt angesteuert werden können. Die Räume sind in der Regel recht klein. Ihre Darstellung auf den taktilen Plänen ist m. E. sehr gut gelungen. Es sind die wesentlichen Elemente wie Hör- und Taststationen sowie weitere Ausstellungselemente von allgemeinem Interesse dargestellt.

Die Räume haben in der Regel Tageslicht, ist dies nicht der Fall, wie in Raum 3, schaltet sich die Beleuchtung ein, sobald der Raum betreten wird. Die Ausleuchtung ist nach meinem Empfinden sehr gut gelungen.

Auf der Stele in Raum vier findet sich ein Beispiel für die taktile Umsetzung eines Fotos. Das Foto ist bearbeitet. Die Umrisse der Körper der Personen sind sehr gut zu ertasten, etwas schwieriger ist es mit den Gesichtern der Dargestellten. Auch die Hüte waren erst durch intensiveres Tasten wahrzunehmen. Insgesamt waren die bildlichen Darstellungen sehr ansprechend und gut gemacht. Es wurden weder das bekannte Tiefziehverfahren, noch das Schwellkopieverfahren angewandt. Die bearbeiteten Fotos werden als Hintergrund genutzt. Die wesentlichen Umrisslinien von Personen oder Gebäuden sind deutlich hervorgehoben. Zum Verfahren kann ich keine Angaben machen.

Raum 5 ist der Bereich, von dem aus der Besucher über die Treppe (Beschriftung am Handlauf vorhanden) oder mit dem Aufzug (Sprachausgabe vorhanden) ins 1. OG gelangt. Die Markierungen an den Treppenstufen habe ich als wenig kontrastreich wahrgenommen. Zwischen Raum 5 und 6 befinden sich Toiletten, die im einleitenden Text nicht erwähnt wurden.

Auch im Obergeschoss befindet sich, wie in der Eingangshalle, ein taktiler Übersichtsplan der gesamten Ausstellung. Die Audioerläuterungen beziehen sich auf die Themen, die in diesem Geschoss präsentiert sind, beispielsweise geht es um die Zeit des Ruhrkampfes von 1923 sowie die Zeit des Nationalsozialismus.

Im 1. OG sind Sitzgelegenheiten in der Regel im Zusammenhang mit Hörstationen vorhanden, die sich theoretisch über den taktilen Raumplan auffinden lassen. Die dargestellten Positionen der Sitzbänke waren für mich zunächst nicht eindeutig im Raum zu verorten. Ich hätte sie nach Plan an einer anderen Stelle vermutet, als sie sich tatsächlich befinden.

Der Rundgang endet in einem sehr hellen tageslichtdurchfluteten Raum. Durch die Fenster ergibt sich ein Blick auf die weiteren Gebäude des Geländes. Im Zentrum einer kreisförmigen Sitzbank steht auf einem Sockel in einer Vitrine ein kopfgroßes Stück Kohle.

Fazit
Das taktile Bodenleitsystem war für mich nicht auf Anhieb schlüssig. Erst beim wiederholten Passieren unklarer Stellen habe ich verstanden, wie es gemeint war.

Ohne die Orientierung an den Raumplänen ist es an manchen Stellen nicht möglich, alle Stationen nur über das Bodenleitsystem wahrzunehmen.

Über Inhalte oder Objekte, die nicht über das Leitsystem erschließbar sind, wird der blinde Besucher nicht informiert.

Besonders hervorzuheben sind die sehr guten Umsetzungen von Bildern und Fotos.

Auf der Zeche Zollern werden Führungen für blinde und sehbehinderte Menschen angeboten. Weitere Informationen und Termine sind auf der Homepage www.lwl-industriemuseum.de zu finden.


Herausgezogene Stehle mit taktiler Darstellung eines Fotos Foto einer herausgezogenen Stehle mit der Darstellung eines taktilen Fotos